Kastilien, Toledo, Tag 2

Nachdem ich den ersten Tag genutzt habe, um mich mit der Stadt vertraut zu machen, ist am zweiten Tag Hardcore-Sightseeing angesagt.

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Kultureller Spaziergang durch Toledo
Der erste Spaziergang führt mich am Morgen zur Puente de Alcantara, von der aus man einen sehr schönen Blick auf die Silhouette der Stadt, inklusive der Alcazar, der Festung hat. Von dort aus geht es im Inneren des ersten Mauerwalls hinauf zum Convento de la Concepcion. Nach dem Frühstück, Empanadilla Argentina plus Cappuccino, mache ich mich auf die Suche nach einem Anbieter von Stadtführungen und werde bei Cuentame Toledo fündig. Die Tour führt zu den bedeutendsten Monumente der drei Kulturen, die Toledo prägen: die auf die Visigoten begründete christliche Kultur, die arabische und die jüdische Kultur.

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Treffpunkt für die Tour ist die Plaza Zocodover, wo Podemos gerade für eine Kundgebung aufbaut, am nächsten Wochenende wird nämlich gewählt. Zum zweiten Mal, nachdem beim ersten Durchgang die Regierungsbildung scheiterte. Ich bin gespannt, wie das ausgeht. Heute zumindest sind die Din A 3-Plakate von Podemos sehr gefragt: als Sonnenhutersatz.

Die wohl kleinste Singlebörse der Welt
Los geht es mit einer Kennenlern-Runde und wie sich herausstellt bin ich die einzige, die nicht aus Spanien stammt. Der Rest kommt aus Madrid, Aranjuez oder Pamplona. Erstes Ziel ist die Mezquita Cristo, ein über tausenjähriges Gebäude, dessen maurischer Teil zweifellos der großartigen Mezquita in Cordoba nachempfunden ist. Später zur Kirche ausgebaut schließt sich dem Gotteshaus ein typisch arabischer Garten an. Ein Aussichtspunkt, oder Mirador, bietet einen herrlichen Ausblick von der ersten Befestigungsmauer auf den später errichteten, zweiten Befestigungsring.

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Auf dem Weg zur Mezquita kommen wir durch die Calle Alfileritos, wo sich vermutlich die kleinste Partnerbörse der Welt befindet. Gemäß einer alten Geschichte verhilft das Ablegen einer Stecknadel beim dort befindlichen Marienschrein dabei, einen Partner zu finden. Tatsächlich lebt der Brauch weiter fort, und ich denke, wer ein wenig Zeit hat könnte vermutlich dort auch einfach auf den Nächsten oder die Nächste warten, die eine ebensolche Stecknadel dort abliefert. Nur so eine Idee…

Religion und Toleranz
Von der Mezquita aus geht es einen der vielen Hügel, oder Cuesta, von Toledo hinauf zur Plaza San Vicente. Die ehemalige Kirche dort ist heute ein Veranstaltungsort. Als wir kurz hineinschauen, wird eben ein Flamenco dargeboten. Für den Abend ist ein Gospelkonzert angesagt. Vorbeischauen lohnt sich also!

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Unser nächstes Ziel ist die Iglesia de Santo Tome und das dort beheimatete Gemälde El Grecos zu Ehren des Senor de Orgaz. Von dort aus geht es zur Synagoge de El Transito wo, wir haben Glück, eine junge Violinistin eben ein Konzert gibt. Die Akustik ist auch wirklich exzellent! Die Synagoge entstand zur Zeit Philips des Grausamen, als religiöse Spannungen Toledo in Atem hielten. Die jüdische Gemeinde stand jedoch unter dem Schutz Philips. Die Synagoge ist im Mudeja-Stil verziert und enthält eine arabische Inschrift, in der Allah um ein gutes Zusammenleben gebeten wird.

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Gegenüber der Synagoge befindet sich eine hübsche kleine Grünanlage mit tollem Ausblick auf den die Stadt umfliessenden Tajo.

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Der letzte kulturelle Höhepunkt des Tages, ohne Tourguide, ist der Besuch der Kathedrale, die neben den Kathedralen von Burgos und Sevilla zu den drei bedeutendsten Gotteshäusern Spaniens zählt. Ein Besuch lohnt sich, etwas Zeit sollte man aber mitbringen, eineinhalb Stunden kann man hier locker verbringen.

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Lieblingsplatz
Das jüdische Viertel, oder Juderia, gehört meiner Meinung nach zu den schönsten Ecken Toledos. Während um die Kathedrale herum ein rechtes Gedränge herrscht ist es hier angenehm leer. Sehr empfehlenswert ist ein Abstecher zum Monasterio de San Juan de los Reyes. Ganz in der Nähe, an der Puerta del Cambron, gibt es ein Restaurant, das Museo de Productos de Castilia y La Mancha, das leckere regionale Speisen zu vernünftigen Preisen bietet.

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Ich werde den Abend noch auf einer der Panoramaterrassen bei einem Glas Tinto de Verano ausklingen lassen. Morgen geht es weiter nach Salamanca.

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