Kanada Tag 10+11, Ottawa

So schön der Algonquin Provincial Park auch ist, ich bin froh, auch mal wieder was anderes zu sehen. So starte ich an Tag 10 auf dem Highway 60 – vorbei an so illustren Orten wie der Cheese Factory Street oder der Garden of Eden Lane sowie gespickt mit Einblicken in die mennonitische Art, Baumaterial zu befördern (mit dem Zweispänner) – in Richtung Ottawa.

Bei meist maximal 80 kmh und nur auf dem letzten Stück 100 kmh Maximalgeschwindigkeit dauert das etwa vier Stunden und der Verkehrsschock in der nicht ganz Millionenstadt (Ottawa hat rund 900.000 Einwohner) ist für mich nicht ohne.

Was für Kontraste diese Stadt vereint! Da fahre ich gerade noch die Kent Street entlang, gesäumt von einstöckigen Ziegelsteinhäuschen und treffe an der Ecke Laurier Avenue prompt auf Downtown mit einem Wald zigstöckiger Hochhäuser. Und zwischendrin der Rideau-Kanal und grüne Parks.

Die Alexandra Bridge verbindet das alte Byward, heute Ottawa, mit dem alten Hull, heute Gatineau.

Mein B&B liegt im Konsulatsviertel und in rund 20 Minuten hat man von dort aus Parliament Hill erreicht. Dorthin mache ich mich auch gleich nach meiner Ankunft auf den Weg, um mir nach der langen Fahrt die Beine zu vertreten. Es hat hochsommerliche 29 Grad in der Stadt und ich habe für maximal 22 Grad gepackt. In T-Shirt und langen Hosen bleibt da nur die Flucht in die Schatten, wo immer möglich.

John By trug die Verantwortung für den Bau des Rideau-Kanals, der bei Kensington am Lake Ontario endet und einst eine wichtige Wasserstrasse war.

Ich streife also die Laurier Avenue hinunter und kühle mich kurz mit einem Besuch im klimatisierten Rideau Center, eine Shopping Mall, ab. Sehenswert ist hier das stylische Kaufhaus Nordstrom. Dann geht es weiter, am schlossartigen Fairmont Chateau Laurier-Hotel vorbei zum Parliament Hill, den ich so weit es geht umrunde, allerdings ist hier große Baustelle angesagt.

Blick auf die vorvorletzte der acht Schleusen, die das Wasser des Rideau-Kanals an dieser Stelle bis zur Mündung in den Ottawa passieren muss. Links im Hintergrund das Fairmont Chateau Laurier.

Auf dem Parliament Hill sind viele Touristen unterwegs, weswegen es gar nicht so einfach ist, schöne Bilder zu machen. Eines ist mir aber doch gelungen.

Blick aufs Parlament in Ottawa, Kanadas Hauptstadt.

Ich stärke mich mit einem Hot Dog von einem mobilen Stand -lecker!- und schlendere gemütlich wieder zurück, durch ByWard Market, ein lebendiges, buntes Viertel – und nebenbei das älteste der Stadt – auf der anderen Seite des Kanals.

Wie gut, dass ich schon gegessen habe… Fischgeschäft im ByWard Market.

Den Rest des Abends lasse ich bei einem weiteren, kurzen Spaziergang im Strathcona Park um die Ecke bei meinem B&B ausklingen und beobachte die Enten, Gänse und Kormorane im Wasser und die gar nicht scheuen Eichhörnchen im Gras.

Tag 11 startet mit einer doppelten Überraschung: erstens ist mein Schulfranzösisch noch eingerosteter, als befürchtet, zweitens spricht sowohl das französische Paar aus Carcassonne als auch das spanisch/belgische Pärchen am Frühstückstisch Spanisch, sodass die – sehr nette – morgendliche Konversation mit den Mitbewohnern gerettet ist.

Wie wir feststellen, hat keiner von uns die hochsommerlichen Temperaturen erwartet und entsprechend falsch gepackt… Das Frühstück ist im Übrigen nicht nur sehr üppig (ich hatte den Rest des Tages jedenfalls keinen Hunger mehr) sondern auch wahnsinnig lecker (Meines bestand aus zwei riesigen Pfannkuchen und Omelett mit Speck plus Schwarztee und Orangensaft).

Nach dem Frühstück ziehe ich durch ByWard Market in Richtung Sussex Drive, vorbei an der amerikanischen Botschaft und dem Reconciliation Memorial zur National Gallery of Canada.

Das Reconciliation Memorial.
Die National Gallery of Canada, wie unschwer an der Architektur zu erkennen, wurde in den frühen 80ern erbaut.
Hier der Blick auf die gegenüberliegende Seite mit der Basilica de Notre Dame.

Ich beschließe, die Galerie zu besichtigen (Eintritt 15 Dollar plus 5 Dollar für den Audio-Guide) und tauche ein in die verschiedenen Epochen kanadischer Kunst, von an die europäischen Schulen angelehnten, sagenhaft schönen Porträts und Landschaftsbildern aus dem 18. und 19. Jahrhundert bis zu den zeitgenössischen Werken indigener Künstler. Besonders angetan hat es mir die Group of Seven, vor allem Tom Thompson, und die farbenfrohen, ausdrucksstarke Bilder von Norval Morrisseau, genannt Copper Thunderbird.

Architektonisch wie künstlerisch beeindruckend: Die National Gallery of Canada in Ottawa.

Zweieinhalb Stunden später spaziere ich zum Nepean Point hinter der Galerie, wo ich zu Füßen Samuel de Champlains die Aussicht auf die Alexandra Bridge und Parliament Hill genieße.

Parliament Hill in der Mittagssonne, vom Nepean Point aus gesehen.
Die Alexandra Bridge und links davon das Canadian Museum of History.

Weiter geht es in Richtung Sparks Street, Ottawas Flaniermeile. Leider gibt es auch hier viele Baustellen, Was ich ein bisschen schade finde.

In der Sparks Street vermischt sich Alt und Neu.
Richtig gesehen, hier fehlt ein „T“. Dieses dürfen Touristen und andere Interressierte auf dem Erinnerungsfoto selber darstellen. Super Idee!
Blick auf eines der beiden identischen Memorial Buildings von der Sparks Street/Ecke Bank Plaza aus. Das verspiegelte Gebäude ist ein Teil der Bank of Canada.
Die Bank of Canada…
… und das strenge Gebäude des Obersten Gerichtshofs. Eine Dame, die es sehr eilig hatte, wurde hier gerade von ihrem Chauffeur vorgefahren.

Langsam mache ich mich auf den Rückweg, lege am Rideau-Kanal aber noch eine Lesepause (William Gibson, Zero History) ein und spaziere zum Abschied noch eine gemütliche Runde durch den ByWard Market, der nun, um kurz nach fünf Uhr nachmittags, deutlich belebter ist.

In ByWard Market ist nachmittags deutlich mehr los, auch wenn es auf dem Foto nicht so wirken mag.
Nochmal ByWard Market…
Der Tin House Courtyard in der Murray Street bietet dieses kleine Juwel der Handwerkskunst von Art Price. Die Skulptur „Tin House“ besteht aus Blech, ahmt aber Holz und Stein nach, und ist eine Reproduktion der Fassade des Hauses von Blechschmied Honore Foisy, die ebenfalls aus Metall bestand.

Das war mein Besuch in Kanadas Hauptstadt, morgen geht es weiter nach Montreal, Quebec.

Bis bald!

Eure Vanessa

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