Kanada Tag 5+6, Historisches und Rodeo

Guten Morgen aus dem Stevenson Farms Bed & Breakfast Harvest Spa in Alliston! Das im Übrigen sehr zu empfehlen ist, vor allem wegen der netten Managerin und dem leckeren Frühstück (French Toast! Frische Smoothies!)

An Tag 5 habe ich mich etwas mit der Geschichte der Georgian Bay beschäftigt und zwar in Midland, mit einem Besuch sowohl im Huronian Museum als auch in der zum Museum umfunktonierten Mission von Sainte Marie among the Hurons am Ufer de Flusses Wye. Tatsächlich lohnt es sich nicht, beide anzusehen, die Mission ist definitiv die bessere Wahl.

In der Mission Sainte Marie kann jedes Gebäude besichtigt werden, Statisten füllen sie zusätzlich mit etwas Leben. Hier im Bild: der Blick aus dem Stall hinüber zur Kapelle.

Die Mission wurde um 1649 aufgegeben, nachdem sich die Konföderation der Wendat, Huronen ist der Name, den die Franzosen den Stämmen gegeben hatten, nach diversen verheerenden Angriffen durch die Irokesen aus dem Landstrich zurückzog.

Die Mission bot auch den Konvertiten Unterkunft, die entweder in temporären Unterkünften wie dieser rechts im Bild wohnten, oder…
… in einem traditionellen Wendat-Langhaus wie diesem.
Und so sieht es im Inneren aus. Privatsphäre gibt es hier keine, wie man sieht.

Die Mission (Eintritt rund 12 Dollar) bietet einen guten Überblick über das Leben vor Ort und angeschlossen ist ein modernes Museum, das die Geschichte der Siedler sowie Hintergrundwissen zum Leben im Frankreich des 17. Jahrhunderts vermittelt.

Auf dem Missionsgelände finden sich auch einige als historische Personen verkleidete Statisten und mir fällt auf, dass die Frauen dabei die Arbeit machen (Holz hacken) während die Männer dekorativ in der Gegend herumstehen.

Der beißende Geruch eines Holzfeuers liegt über allem und ich finde es schließlich im vermutlich ältesten Gebäude des Komplexes.

Ein gemütliches Feuer bei circa 19 Grad Aussentemperatur… Warum nicht?

Das Huronian Museum (Eintritt ebenfalls 12 Dollar) ist im Vergleich zur Mission winzig, konzentriert sich dabei aber auf die Wendat und nicht auf das Leben und Wirken der französischen Jesuitenmönche und ist insofern auch interessant, wenn auch deutlich weniger professionell gestaltet.

Tierknochen, die nicht für das Herstellen von Werkzeugen oder Schmuck verwendet wurden, kamen nicht etwa auf den Müll sondern wurden aus Respekt sorgsam gesammelt.
Die Replik der Hütte eines Heilers, die traditionell abseits der restlichen Bewohner lebten.

Rodeo!

An Tag 6, es ist Sonntag, beschließe ich spontan, das Mayor’s Charity Rodeo zu besuchen, das in Alliston an diesem Wochenende stattfindet, und zwar schon zum 20. Mal.

Die allererste Frage, die ich mir dazu stelle lautet, natürlich: Was ziehe ich an? Da meine Garderobe nichts Passendes hergibt, gehe ich eben als Touristin in schwarzen Hosen und schwarz-weiß gestreiftem T-Shirt. Blöd nur, dass das Rodeo in einer mit grober Erde und Sand befüllten Arena stattfindet – Staubalarm!

Rodeo in Alliston: Die Broncos kommen beim Bareback Riding zum Einsatz…
… die Bullen beim, Ihr habt es sicher schon erraten, Bull Riding, dem Highlight des Rodeo. Hier wirken sie sehr friedlich und den getigerten links finde ich persönlich sehr hübsch.

Laute Musik plärrt aus den Lautsprechern der Halle, es herrscht eine aufgekratzte Stimmung. Viele sind gekommen, um Freunde und Verwandte anzufeuern.

Von meinem Platz aus habe ich beste Sicht auf die Arena und auf die Broncos und Bullen in den engen Startboxen. Beim Rodeo geht es aber natürlich nicht nur darum, wer sich am längsten auf einem wild bockenden Pferd oder Rind halten kann, sondern auch um Geschicklichkeit. Dabei müssen Ross und Reiter eine Einheit bilden, was die Teilnehmer alle höchst eindrucksvoll zur Schau stellen.

Vor dem Rodeo ist für die Athleten erstmal Aufwärmen angesagt. Mir gefällt hier sehr gut, dass die Tiere als ebensolche angesehen werden. Meistens zumindest, aber dazu später mehr.

Zu Beginn stellen die Cowgirls Schnelligkeit und Wendigkeit ihrer Pferde unter Beweis. Jede wird vom Publikum kräftig auf der Zielgraden angefeuert, wenn es darum geht, vom einen Ende der Arena zur anderen zu preschen, um noch Zeit gutzumachen. Das schnellste Team gewinnt, eine Zeitvorgabe gibt es nicht.

Wer am schnellsten die Stangen umrundet, gewinnt.

Beim Bareback Riding auf Jungrindern und Pferden geht es darum, sich so lang wie möglich auf dem Rücken des Tieres zu halten, maximal 8 Sekunden. Hier machen nur junge Männer mit, der jüngste Teilnehmer ist erst neun und wird sofort vom Rücken des Rindes geschleudert, wirkt danach wie betäubt. Ich hoffe, er hat sich nicht wehgetan. Gewinner der Herzen ist eindeutig Big Blue, ein großer, kräftiger und ausnehmend hübscher grauer Bronco.

Action beim Bareback Riding: Die beiden anderen Reiter sorgen für die Sicherheit der menschlichen Wettkämpfer und drängen die Tiere ab, sobald sie ihren Menschen abgeworfen haben, sodass Niemand niedergetrampelt wird.

Danach ist Roping an der Reihe, ein Wettkampf, bei dem der Reiter ein Kalb mit dem Lasso fangen, vom Pferd springen, das Kalb zu Boden werfen und seine Beine fesseln muss, und das so schnell wie möglich. Der Clou: erreicht das Kalb das andere Ende der Arena, darf es nicht mehr eingefangen werden. Die Kälber haben Glück, nur ein einziges wird eingefangen und das mit grösster Effizienz. Meine Sitznachbarin jubelt jedes Mal, wenn wieder eines davonkommt. „Ich finde es schrecklich, wenn die Kleinen zu Boden geworfen werden“, vertraut sie mir an. Und, bei aller Effizienz, ich kann das gut nachempfinden.

Dieser Comboy hatte in circa 8 Sekunden sein Kalb zu Fall gebracht. Achtet darauf, wie eingespielt er und sein Pferd agieren. Denn das Pferd muss, sobald der Reiter zu Boden springt, stehen bleiben und so das Seil straff halten. Beindruckend!

Weiter geht es mit Barrel Racing, ein Geschicklichkeitswettbewerb, danach gilt es beim Team Roping, ein Jungrind einzufangen. Es gilt dieselbe Regel wie bei den Kälbern, allerdings ist es hier so, dass ein Reiter sein Lasso erst um den Kopf des Tieres werfen muss, ehe der zweite seine Schlinge um die Hinterbeine wirft, was leichter gesagt ist als getan! Die Rinder werden, im Gegensatz zu den Kälbern, sofort wieder losgelassen und sind ganz offensichtlich froh, aus der Arena zu dürfen.

Das Highlight ist, wie eingangs erwähnt, das Bullenreiten. Vor allem die kleinen Sechsjährigen in den Sitzen vor mir schauen mit grossen Augen, als die Bullen in die Startpositionen getrieben werden. Ich bin nicht minder aufgeregt.

Wieder wachen zwei Reiter über die Sicherheit der menschlichen Teilnehmer, zusätzlich sind weitere Männer im Einsatz, die die Bullen ablenken sollen, sobald der Reiter abgeworfen wurde. Der Pausenclown vorne im roten Fass muss einmal tatsächlich darin abtauchen, als ein Bulle ihn aufs Korn nimmt und das Fass, mit ihm drin, wild durch die Arena schleudert. Natürlich ist der junge Mann danach der Held des Publikums!

Es sind ziemlich gefährlich aus, wie die Männer von den muskulösen Bullen hin- und hergeschleudert werden. Gewinner ist übrigens ein roter Bulle namens King Louie, der nach seinem verdienten Sieg erhobenen Hauptes und unter tobendem Applaus aus der Arena schlendert.

Das war mein erstes Rodeo, und ich bin schwer beeindruckt. Und das war’s auch mit meiner ersten Woche in Kanada. Morgen geht es weiter in Richtung Algonquin Provincial Park und danach nach Ottawa.

Bis bald!

Eure Vanessa

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