Kanada Tag 3+4, St. Jacobs, Collingwood und die Scenic Caves

Meine Reise durch Kanadas Osten führt mich am dritten Tag zunächst in den Westen von Toronto, vorbei an den typischen bunten Farmhäusern, Ställen und Scheunen mit den weißen Zierbalken, nach St. Jacobs mit seinem berühmten Farmers‘ Market.

Am Straßenrand weisen Schilder auf die Einspänner hin, die die hier ansässigen Mennoniten anstatt Autos zur Fortbewegung benutzen. Ich bin trotzdem überrascht, als mir eine dieser Kutschen plötzlich auf der Landstraße entgegenkommt. Dabei hatte ich mich schon über das Tempolimit von 50 kmh Maximalgeschwindigkeit gewundert…

Ganz Recht, in Kanada gelten Maximalgeschwindigkeiten.

In der Markthalle duftet es wunderbar nach Backwaren und sie ist unbedingt einen Besuch wert!

Auf dem Gelände des Farmers‘ Market – das Gebäude im Bild ist übrigens nur ein Teil davon – verkaufen die Landwirte und Händler ihre Produkte, von Obst und Gemüse über Fleisch, Würste und Backwaren aller Art bis hin zu Nutztieren. Die in der Gegend ansässigen Mennoniten sind in der Markthalle allgegenwärtig, zumindest der weibliche Teil, erkennbar an den langen Röcken und Hauben.

An einem Stand werden „Bavarian Beernuts“ verkauft und klar bin ich sofort neugierig, was das denn wohl ist. Habt Ihr es erraten? Mit ein wenig Nachdenken hätte ich zumindest darauf kommen können, dass Bavarian (Bayern!) Beer (Bier!) Nuts (Nüsse!) irgendetwas mit dem Oktoberfest zu tun haben müssen! Kurzum, es handelt sich dabei um gebrannte Mandeln.

Farm in der Gegend von St. Jacobs.

Von St. Jacobs aus geht es weiter in Richtung Alliston und hier gibt es keine dreispurigen Highways mehr wie rings um Toronto, sondern einspurige Landstraßen mit Maximalgeschwindigkeiten von 60 bis 80 kmh. Außerdem gibt es hier deutlich mehr Wälder und Hügel, kälter ist es auch, mit maximal 16 Grad in der Sonne und 12 Grad im Schatten (bei wechselhaftem Wetter also die meiste Zeit über) bei teils heftigem Wind.

Landstraße in der Nähe von New Tecumseth, Ontario.

Mein B&B befindet sich am Ende einer Stichstrasse bzw. unbefestigten Weges und ist nicht nur sehr alt sondern wurde vom Gründer der kanadischen Loblaw-Supermarktkette erbaut, weswegen ich es mir nicht nehmen lassen konnte, bei meinem heutigen Besuch in Collingwood den dortigen Ableger zu fotografieren.

Loblaw und Graffiti.

Collingwood liegt an der Georgian Bay, der östlichsten Bucht des Lake Huron, und wie am Lake Ontario auch bläst der Wind hier besonders heftig.

Hübsche Graffiti zieren einige der Häuser, doch viel mehr als die, zugegeben sehr hübsche, Hurontario Street mit ihren Lädenzeilen bietet das Städtchen nicht wirklich.

Die Hurontario Street in Collingwood.

Ein Highlight ist jedoch der Sunset Point Park, direkt am Seeufer, von dem aus man immerhin das andere Ende der Bucht sehen kann. Meine Gastgeberin erzählt mir, dass ihre Eltern sie, als sie noch klein war, oft abends in den Schlafanzug gesteckt haben und mit ihr dorthin gefahren sind, um gemeinsam den Sonnenuntergang zu bestaunen. Ich kann mir das sehr gut vorstellen.

Blick vom Sunset Point Park hinüber zu den Blue Mountains. Wie unschwer an den Wellen zu erkennen, ist es ein weiterer windiger Tag.

Von Collingwood aus ist es nur ein Katzensprung zu den Blue Mountains, genauer gesagt, zum Scenic Caves Adventure, ein kleiner Freizeitpark, der, neben den besagten Höhlen, weitere Aktivitäten wie Flying Fox, Diamantenfieber und eine Hängebrücke bietet.

Ich beschließe, die Höhlen und die Brücke zu besichtigen. Die Höhlen dienten einst den Tobacco People, ein Stamm der Petun-Indianer, als Festung.

Der Weg zum Höhleneingang führt über Treppen und Wurzeln.
Hier geht es hinunter zu den Höhlen. Rauf und runter…

Für die ganz Mutigen gibt es den Fat Man’s Misery, ein Weg durch den Fels, gerade mal 34 cm breit an der engsten Stelle – man muss sich seitlich an der Wand entlang durchzwängen -, den ich nach kurzer Inspektion des Einstiegs schaudernd links liegen lassen. Als Kind hat es mir nichts ausgemacht, stundenlang eingeklemmt zwischen Heuballen zu verharren, wenn wir Verstecken spielten. Aber das ist nun auch schon eine Weile her…

Blick auf die Georgian Bay von dem Aussichtspunkt der Scenic Caves aus.

Weiter geht es zur Hängebrücke, die eigentlich kein Hängebrücke ist, denn sie wölbt sich nicht nach unten, was typisch wäre, sondern nach oben, um dem Besucher den besten Ausblick zu verschaffen. Die Brücke ist inmitten der Wälder gelegen und ich könnte stundenlang hier oben stehen und dem Rauschen des Windes in den Blättern lauschen. Leider ist es dafür viel zu kalt.

Schweren Herzens mache ich mich auf den Heimweg und tröste mich damit, dass ich noch einmal in die Gegend kommen werde, um Wasaga Beach und Midland zu besuchen.

Im B&B treffe ich auf vier meiner Mitbewohner, vier Handwerker aus der Gegend, die gemeinsam an einem Projekt für einen Autohersteller arbeiten und sich schon sehr lange kennen. Sie geben mir noch einige Tipps für die Weiterreise, z. B. den Rideaux-Kanal und das alte Montreal, in dem ich zufälligerweise wohnen werde, besuchen und Biberschwänze (eine Art Pfannkuchen) in Quebec kosten. Für meinen nächsten Besuch in Kanada legen sie mir zudem wärmstens Neufundland, Halifax und New Brunswick ans Herz und erzählen mir dazu noch einige witzige und anrührende Anekdoten.

So geht der vierte Tag zu Ende und langsam gewöhne ich mich an die Zeitumstellung, auch wenn mir wieder um halb zehn Uhr abends die Augen zu fallen.

Bis bald!

Eure Vanessa

2 Kommentare

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s